Annemarie Schmid

Im August 1962 erblickte ich auf einem Bauernhof das Licht der Welt, auf dem ich zusammen mit meinen beiden Geschwistern eine glückliche Kindheit verbringen durften, obwohl wir schon früh Erfahrung mit Verlust und Trauer machen mussten.

Ich bin verheiratet und  mir wurden 4 Töchter geschenkt.

Unsere zweite Tochter wurde krank in diese Welt geboren und nach nur fünf Monaten hat Sie uns bereits wieder verlassen.

Mittlerweile dürfen wir uns mit großer Dankbarkeit über zwei Enkeltöchter freuen.

Während meiner Kindheit verstarben meine Großeltern – wie damals üblich – Zuhause und wurden im Sterbehaus von der Familie, der Nachbarschaft und dem Dorf verabschiedet.
Das heißt nicht, dass es nicht schmerzhaft und sehr traurig für mich war, einen lieben Menschen für immer verabschieden zu müssen.

Dennoch fühlte es sich trotz der Trauer „normal“ an. Damals begriff ich das Sterben als zum Leben zugehörig.
Im Laufe der Jahre waren weitere schmerzliche Verluste in der Familie zu beklagen:
Unsere Tochter mussten wir noch im gleichen Jahr wie meinen Vater nach schwerer vorangegangener Krankheit verabschieden.

Es war unbeschreiblich schwer in dieser Zeit und es fühlte sich nicht mehr „normal“ an, denn die „Ordnung des Alters“ stimmte nicht mehr.

Aufgrund dieser persönlichen Betroffenheit begann ich, mich intensiv mit dem Thema “Sterben und Tod” auseinanderzusetzen.


Dem Wissen der vielen Ärzte, Wissenschaftlern und anderen Autoren, stand meine Erkenntnis diametral gegenüber, dass der Tod – wie auch die Geburt – untrennbar zum Leben gehört. Punkt.


Jedoch mein Gefühl und mein Herz, spürte in diesen Situationen des Abschiednehmens etwas gänzlich anderes:

Ich spürte nur den Schmerz, die Leere und den Verlust.

Meine Mutter lehrte mich während ihres Lebens und des langen Abschieds viel über das Sterben und den Tod , wofür ich ihr sehr dankbar bin.
Trotz der vielen Abschiede in meinem Leben, bin ich erfüllt vom Geschenk meines Leben und erfreue mich jeden Tag, dieses genießen zu dürfen.


1998 durfte ich bei einem Vortrag den Hospizverein Rosenheim kennenlernen.

Diese Gespräche beschäftigten mich sehr, sodass ich mich entschloss, eine Ausbildung zur Hospizbegleiterin zu beginnen.

Durch meine eigene Vorgeschichte fühlte ich mich am richtigen Platz, um mich ehrenamtlich zu engagieren.


Es folgten bewegende Herzensbegegnungen mit Sterbenden, deren Angehörigen und vielen weiteren berührenden Gesprächen mit Menschen denen ich begegnen durfte.

Nach fast 20 Jahren beim Jakobus-Hospizverein beendete ich dort im Frühjahr 2018 meine ehrenamtliche Tätigkeit.


2015 begann ich meine Ausbildung im Münchner Institut für Trauerpädagogik zur zertifizierten Trauerbegleiterin, die ich Ende 2016 abschloss.

Gleichzeitig absolvierte ich im selben Institut die Zusatzausbildung zur zertifizierten Kinder- und Jugendtrauerpädagogin.


Im Gegensatz zur Hospiz-, oder Sterbebegleitung, nimmt sich die Trauerbegleitung den Hinterbliebenen, sowie deren Trauerbewältigung an.


Mein Anliegen in der Trauerbegleitung ist es, die Trauernden dabei zu unterstützen, ihr Leben neu zu ordnen und erkennen zu können, dass auch ihr Leben lebenswert ist.

Scroll to Top